„‚Rettet die Bildung’ lautet die Aktion, zu der die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bundesweit aufruft. Am 27. Juni sollen
Bildungseinrichtungen und Verbände den Hilferuf an Luftballons hinaustragen lassen. Der Ortsverband Schorndorf der GEW wird sich beteiligen und an diesem Tag von 16 bis 18 Uhr am ‚Mondscheinbrunnen’ vor der Stadtkirche
sein. Neben gasgefüllten Ballons möchte er durch Informationsmaterial und Gespräche auf die Bildungsmisere aufmerksam machen und Verbesserungsvorschläge machen.”Ein zentrales Anliegen nach den schlechten
Ergebnissen der PISA-Vergleichsstudie sei die frühkindliche Bildung. Kindergärten müssten qualifiziert fördern und einen guten Start in die Schule ermöglichen. „Plätze in einer Vorschule müssen wie in Skandinavien
garantiert sein. Dort kann sich kindliche Neugier in Lernlust verwandeln. Dazu brauchen Kindergärten kleine Gruppen und Erzieherinnen und Erzieher mit Hochschulausbildung. Kindergärten müssen Räume für das Entdecken und
Forschen, Experimentieren und Begreifen werden.“ Auf die Schwachen solle besonders geachtet werden. Erzieherinnen und Erzieher könnten in einem „Bildungsbuch“ Entwicklungsfortschritte dokumentieren und in Zusammenarbeit
mit den Eltern eine individuelle Förderung anbieten. „In Kindergärten mit unterbesetztem Personal kann die fruchtbare Lernphase der Vorschulzeit nicht effektiv genutzt werden. Im ersten Schuljahr zeigen sich bei
vielen unserer Kinder Defizite.“ Besondere Bedeutung hätten Kindertagesstätten um berufstätige Eltern und Alleinerziehende zu unterstützen. Bloße ‚Verwahranstalten’ mit Unterbesetzung seien der kindlichen Entwicklung
nicht dienlich.
„Als Schulmodell der Zukunft wünscht sich die GEW die Ganztagesschule als Lern- und Lebensort. Sie hilft den 45-Minuten-Takt des Unterrichts überwinden und selbstständige
Lernprozesse zu fördern. Eine Halbtagesschule mit Nachmittagsaufsicht ist keine Ganztagesschule. Mittagstisch, Projektarbeit, Stütz- und Fördermaßnahmen, Spiel- und Freizeitangebot, Hausaufgabenbetreuung und vieles mehr
machen die echte Ganztagesschule aus. Nur so kann sie Begabungen offen legen und soziale Defizite ausbessern.“
Die neuen Lehrpläne, die 2004 in die Praxis umgesetzt werden, sollten den Schulen die
Freiheit einräumen einen Teil des Lehrplans selbst zu gestalten. Das verschleiere aber die mangelhafte Versorgung mit Lehrkräften. „Ein wenig Autonomie für die Schulen darf nicht bedeuten: Seht zu, wie ihr mit wenigen
Lehrern und großen Klassen international an die Spitze kommt!“ Wenn Diagnosetests zeigten, dass eine Schule die Bildungsstandards nicht erreicht habe, dürfe nicht automatisch auf schlechte Lehrerinnen und Lehrer
geschlossen werden. Neue Lehrpläne verbesserten die Schulen nicht, solange das Kultusministerium behaupte, die alte dreigliedrige Schule habe sich bewährt und mit unterbesetzten und überalterten Lehrerkollegien könne
sich Baden-Württemberg international behaupten. „Finnland und Schweden bewiesen durch ihr gutes Ergebnis in der PISA-Studie den Erfolg eines ganz anderen Konzepts: Schon vor dreißig Jahren schufen sie Gesamtschulen für
eine lange Zeit gemeinsamen Lernens – ohne Zeugnisse und ohne Sitzenbleiben. In der motivierenden Atmosphäre gut ausgestatteter Schulen gewährten sie Freiräume für selbstständiges Lernen. Sie förderten Schwache, indem
sie Sozialpädagogen und Schulpsychologen in das Schulteam integrierten.“
Überdies seien die Lehrkräfte über Jahre hinweg immer mehr von ihrem Dienstherr enttäuscht worden. Seit langem hätte der Dienstherr
das Treueverhältnis gegenüber seinen Staatsdienern einseitig ausgelegt. „Die Streichung der Altersermäßigung, die Verweigerung der Altersteilzeit in Baden-Württemberg, Deputatserhöhungen in den Gymnasien und
Berufsschulen, Kürzungen am Gehalt und an der Pension, Hinaufsetzung der Pensionsgrenze, übergroße Klassen und immer schwierigere Schüler sind denkbar schlechte Voraussetzungen neue Herausforderungen mit Begeisterung
anzunehmen.“
Zu den besonders Benachteiligten zählten auch Jugendliche ohne Ausbildungsplatz. „Neue, gleichwertige Ausbildungsmodelle müssen die traditionelle duale Ausbildung in Betrieb und Berufsschule
ergänzen um jugendliche Arbeitslose von der Straße zu holen.“
Der Ortsverband Schorndorf der GEW will etwas gegen die Bildungsmisere tun und bittet die Mitbürgerinnen und Mitbürger den Informationsstand
zu besuchen. Er freut sich über jedes Gespräch.
gezeichnet
Rudi Pfaller
Pressesprecher der GEW im OV Schorndorf