GEW über ...

Kultusministerium schläft – Schulleiter handeln

Integrative Schulen sind die Zukunft

 

Stuttgart – „Das baden-württembergische Kultusministerium verwaltet anstatt zukunftsfähige Bildungspolitik zu gestalten und verschläft die rechtzeitige Modernisierung unseres Schulsystems. Wer selbstständige Schulen will, muss den Appell der Schulleiter aus Südwürttemberg ernst nehmen, anstatt jede Diskussion zu verweigern und kritischen Lehrerinnen und Lehrern Maulkörbe zu verpassen“, sagte am Mittwoch (09.05.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Bildungsgewerkschaft hat erfahren, dass aus der Schulverwaltung Druck auf Schulleiter ausgeübt wird, die einen Abschied vom selektiven dreigliedrigen Schulsystem vorschlagen.

Die GEW setzt sich dafür ein, durch neue integrative Schulformen wohnortnahe Schulen für möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erhalten. „Der Rückgang der Schülerzahlen darf nicht dazu führen, dass Schulen geschlossen und das Schulangebot verschlechtert wird, sondern wir sollten alle Möglichkeiten ausschöpfen, das Schulangebot nicht nur zu erhalten, sondern zu verbessern. Wir brauchen eine offene Diskussion, wie im Flächenland Baden-Württemberg in Zukunft ein tragfähiges, wohnortnahes und leistungsfähiges Schulangebot für alle Kinder aussehen könnte. Dabei muss auch die Möglichkeit diskutiert werden, durch integrative Schulsysteme das Bildungsangebot insgesamt zu verbessern“, sagte Dahlem.


Landesregierung lässt Hauptschulen im Stich

GEW: CDU-Schulpolitiker lehnen Vorschläge von Rau ab

 

Stuttgart – Offenbar bleibt das Anfang Mai angekündigte 10-Millionen-Programm für die Hauptschulen in der Schublade. „Das Kultusministerium blockiert nicht nur jede Diskussion über neue integrative Schulformen, sondern speist wohl erneut die Kinder, deren Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer an den Hauptschulen mit leeren Versprechen ab. Nur ein kleiner Teil der versprochenen 925 Stellen soll im September an die Schulen kommen“, sagte am Donnerstag (14.06.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die GEW verlangt, dass Oettinger und Rau ihre Zusagen einhalten.

Der GEW liegen Informationen vor, dass die geplante Senkung des Klassenteilers von 33 auf 28 im Arbeitskreis Schulpolitik der CDU-Fraktion abgelehnt wurde. Auch für die spezielle Förderung in Deutsch und Mathematik und den flächendeckenden Ausbau des Praxiszugs sollen offenbar weniger Geld als von Oettinger und Rau angekündigt ausgegeben werden. „Die CDU-Bildungspolitiker fallen ihrer eigenen Landesregierung in den Rücken und ignorieren die Situation der knapp 200.000 Schülerinnen und Schüler und ihrer Lehrkräfte an den Hauptschulen. Statt seriöser Bildungspolitik wird hier Politik für die eigenen Interessen gemacht, mit solchen Entscheidungen macht sich die CDU bildungspolitisch unglaubwürdig“, sagte Dahlem. Vier der neun Mitglieder des Arbeitskreises sind Lehrer, sie unterrichten alle an Gymnasien.

Eine Senkung des Klassenteilers würde sich an 13 Prozent der Hauptschulen auswirken. Dafür wären 600 Stellen notwendig. Profitieren würden davon vor allem überfüllte Brennpunkthauptschulen in größeren Städten. Für die Erweiterung der Kontingentstundentafel um zwei Stunden in Klasse 5 und einer in Klasse 6 für die Fächer Deutsch und Mathematik würden 191 zusätzliche Stellen benötigt. Für den flächendeckenden Ausbau des Praxiszugs bis 2009/10 würden 134 Stellen gebraucht. Derzeit beteiligt sich rund ein Drittel der Schulen an einem Praxiszug, in dem Schüler/innen phasenweise in Unternehmen arbeiten.

 

Sofortprogramm Hauptschule – Modellschulen zulassen

Die Bildungsgewerkschaft GEW hatte schon Anfang Januar empfohlen, die 521 gesperrten Lehrerstellen im Sommer 2007 wieder zu besetzen und gezielt in ein Sofortprogramm für die Hauptschulen zu  investieren. „Dies wäre ein richtiges bildungspolitisches Signal im Interesse der benachteiligten Kinder und Jugendlichen. Alle Stabilisierungsbemühungen der Landesregierung wie das Programm „Impulse Hauptschule“ sind verpufft. Wer den Abwärtstrend der Hauptschule stoppen will, muss neue Wege zulassen und dieser Schulart deutlich bessere Rahmenbedingungen garantieren“, so Dahlem.

Die GEW schlägt in einem Sofortprogramm für die Hauptschule unter anderem vor, den Klassenteiler zu senken, Hauptschulen vorrangig zu Ganztagsschulen auszubauen, Regionalschulen zuzulassen und Hauptschullehrer/innen wie die Pädagogen an den Realschulen zu bezahlen. „Unsere Hauptschulen sind keine schlechten Schulen, im Gegenteil. An den baden-württembergischen Hauptschulen wird unter sehr schwierigen Bedingungen von den Lehrerinnen und Lehrern eine überdurchschnittlich engagierte Arbeit geleistet. Aber nur noch 12 bis 18 Prozent der Lehramtsstudierenden wollen an die Hauptschule“, so Dahlem.

Die GEW befürchtet, dass in den nächsten Jahren mindestens 300 Hauptschulen von der Schließung bedroht sind und schlägt deshalb neue integrative Gemeinschafts- oder Regionalschulen vor, die in der ersten Phase als Modellschulen gestartet werden könnten.

 

Übertrittsquoten - Mindestschülerzahl an 309 Schulen unterschritten

Die Übertrittsquote von der Grund- auf die Hauptschule hat im Jahr 2006 einen historischen Tiefstand von 28 Prozent erreicht. Im Schuljahr 2005/06 besuchten 194.400 Schüler/innen die 1.202 Hauptschulen in Baden-Württemberg, im Schuljahr 2012/13 sollen es nur noch 163.670 sein.

 

38.000 Lehrer/innen an Grund- und Hauptschulen

An den rund 1.200 Grund- und Hauptschulen arbeiten über 38.000 Lehrer/innen. Etwa 20.000 sind Hauptschullehrer/innen. 


SPD macht sich mit Ladenhüter lächerlich

Kürzung der Eingangsgehälter verschärft Lehrermangel

 

Die SPD in Baden-Württemberg macht sich mit einem bildungspolitischen Ladenhüter aus Rheinland-Pfalz lächerlich. Offenbar ist die SPD nicht mehr in der Lage, seriöse und zukunftsweisende Bildungspolitik zu gestalten. Mit einer Kürzung der Eingangsgehälter für Lehrkräfte macht sie sich angesichts des Lehrermangels auch bei allen Eltern und Kindern unglaubwürdig.

In den nächsten zehn Jahren werden 38.000 Lehrerinnen und Lehrer im Südwesten pensioniert. Die Landesregierungen der nächsten Jahre stehen vor der Aufgabe, diese Stellen mit gut ausgebildetem Nachwuchs zu besetzen und vor allem einen großen Lehrermangel in den Hauptschulen und Beruflichen Schulen zu verhindern. Die SPD wird mit dieser Politik aber auf absehbare Zeit keine Chance haben, Bildungspolitik in Baden-Württemberg mitzugestalten.

GEW-Vorsitzender Dahlem bedauert, dass die Argumente der Bildungspolitiker in der SPD-Fraktion offenbar ignoriert wurden. Bildungspolitik ist das zentrale Politikfeld der Bundesländer. Die SPD hat hier seit der Landtagswahl keine eigenen Akzente setzen können. Mit dem Vorschlag zur Kürzung der Einstiegsgehälter wird dies weiter verschärft. Das ist Politik auf Kosten der jungen Generation.

Der Parteivorsitzende Kurt Beck fordert kräftige Lohnzuwächse bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, aber die Sozialdemokraten in Baden-Württemberg wollen bei den Jungen abkassieren. Wer eine ordentliche Unterrichtsversorgung nicht finanzieren will, soll das sagen, aber nicht auf dem Rücken des Lehrernachwuchses Haushaltslöcher stopfen.


Notlösung Jugendbegleiter

GEW: Wir brauchen echte Ganztagsschulen

 

Stuttgart – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) macht sich für echte Ganztagsschulen stark, die nicht zwischen Unterricht und Freizeitangeboten trennen und für alle Schüler/innen verpflichtend sind. „Das Jugendbegleiter-Konzept ist eine Notlösung, um schneller mehr Ganztagsschulen anbieten zu können. Für gute Schulen mit mehr individueller Förderung der Kinder und Jugendlichen brauchen wir aber echte Ganztagsschulen, in denen Profis wie Sozialpädagoginnen und Erzieherinnen die Lehrkräfte unterstützen“, sagte am Dienstag (06.03.) in Stuttgart der GEW-Landesvorsitzende Rainer Dahlem.

Die GEW berichtet von vielen Schulen, die den bisherigen Einsatz von Jugendbegleitern kritisch bewerten. „Viele Schulen klagen über den hohen Organisationsaufwand für Lehrerinnen und Lehrer sowie die Schulleitungen. Die zusätzlichen 45 Minuten pro Woche für die Schulen gleichen das bei weitem nicht aus. Wer stundenlang am Telefon sitzt, um Ehrenamtliche zu organisieren und zu koordinieren, hat weniger Zeit für die Kinder und Jugendlichen“, so Dahlem. Eine vollständige Bilanz des Projekts sei aber jetzt noch nicht möglich.

Die GEW erwartet von der Landesregierung genauere Informationen, aus welchen Töpfen die Landesregierung die Jugendbegleiter finanzieren will. „870 Stellen sind bereits durch die Stellensperre und die Unterrichtserhöhung für Referendare kassiert worden. Wir befürchten, dass die Landesregierung im Herbst 2007 mehrere hundert Stellen an Grund- und Hauptschulen nicht wieder besetzen wird, um Jugendbegleiter und das Schulreife Kind bezahlen zu können. Wer Ganztagsschulen durch Stellenabbau und Flickenteppiche von Ehrenamtlichen aufbauen will, macht die Schulen zu Aufbewahrungsanstalten“, so Dahlem.


Offener Brief zur aktuellen Einstellungssituation im Lehrerbereich

 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Oettinger,

sehr geehrter Herr Kultusminister Rau,

sehr geehrter Herr Heinz,

 

nach unseren Informationen werden im nächsten Schuljahr 2007/2008 von 8140 Bewerbern nur 2957 in den Schuldienst eingestellt. Besonders betroffen ist der Bereich der Grund- und Hauptschulen, in dem nur 13 % der Lehramtsanwärter/innen übernommen werden. Die Ausbildung dieser Referendare kostete das Land Baden-Württemberg Steuermittel, die verloren sind; die voll ausgebildeten Lehrkräfte werden sich möglicherweise an Privatschulen, anderen Bundesländern oder in der Schweiz bewerben.

Auch im Schorndorfer Raum melden sich enttäuschte Lehrerinnen und Lehrer, die mit guten Einstellungschancen angeworben wurden und nun auf der Straße stehen.

Gerade die Grund- und Hauptschulen hätten diese Junglehrer nötig um kleinere Klassen zu bilden und Kinder mit Förderungsbedarf zu unterstützen. In diesem Zusammenhang ist es uns unverständlich, dass die Zusage, den Klassenteiler auf 28 Schüler zu senken, nach Intervention der CDU-Fraktion zurückgenommen wurde.

Geradezu beschämend finden wir die Offerte, den arbeitslosen Lehrerinnen und Lehrern anzubieten, für geringe Entlohnung als pädagogische Assistenten zu arbeiten. Diese Billiglösung wird weder den Schulen noch den jungen Menschen gerecht. Die Aussage von Kultusminister Rau, dieses Modell sei „einmalig in Deutschland“ (SWR-Nachrichten vom 26.06.2007), wertet diese Entscheidung nicht auf. Mit dieser Maßnahme ist die Hauptschule nicht zu retten.

Damit aus Baden-Württemberg ein „Kinderland“ wird, muss die frühkindliche Förderung mit qualifizierten Kräften in Angriff genommen werden. Die verschiedenen Schularten – und im besonderen Maße die Hauptschule – brauchen keine Flickschusterei, sondern eine Lehrerversorgung, die den Bedürfnissen dieser Kinder gerecht wird.

Wir vermissen ein ausgereiftes Konzept, das den Ansprüchen der Wirtschaft in unserem hoch technisierten Bundesland entgegenkommt. Besonders die Unterversorgung in den naturwissenschaftlichen Fächern wird uns noch Probleme bereiten.

Unverständlich ist uns, dass sich einerseits die Steuereinnahmen im Jahr 2007 weiter erhöht haben, andererseits aber die Landesregierung nicht bereit ist in den wertvollen Rohstoff Bildung nachhaltig zu investieren.

 

Mit freundlichen Grüßen


 

Referendare sollen erfahrene Lehrer/innen ersetzen

 

Das Kultusministerium hat offensichtlich seine im Jahr 2005 gemachte Zusage wieder zurückgenommen, wonach die durch Referendare an Grund-, Haupt- und Realschulen gehaltenen Unterrichtsstunden bei der Lehrerzuweisung an die Schulen nicht voll angerechnet wurden. „Das würde jetzt bedeuten, dass Schulen mit mehreren Referendaren als überversorgt gelten und erfahrene Pädagoginnen und Pädagogen versetzt werden müssen“, sagte Dahlem.

Die GEW schlägt vor, dass weiterhin keine Stamm-Lehrkräfte von der Schule wegversetzt werden. „Sonst wird auch die Bereitschaft der Schulen, Referendare auszubilden, stark zurückgehen. Schon jetzt wird der hohe Ausbildungsaufwand für Mentorinnen und Mentoren sowie für die Schulleitung kaum honoriert, obwohl sich die Lehrerausbildung seit der Bildungsplanreform erheblich erschwert hat“, so Dahlem.

Zum Beispiel führt der nur einjährige Unterrichtseinsatz während der Ausbildung an Grundschulen zu häufigen Wechseln der Lehrkräfte, da die Referendare nur ein Jahr in der Klasse sind. Da an den Hochschulen immer noch Fächer studiert, aber an den Schulen Fächerverbünde unterrichtet werden, müssen die Ausbildungsseminare und Schulen diese Defizite ausgleichen.

„Die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung während der Ausbildung und die volle Anrechnung der Stunden geht auf Kosten der Ausbildung, der Lehrerinnen und Lehrer sowie der Kinder“, sagte Dahlem.

 

Hauptschullehrer, Note 1,3: Arbeitslos

Junglehrer reagieren empört auf Kultusminister Rau

 

Stuttgart – Am Wochenende haben zahlreiche abgelehnte Junglehrer/innen empört auf Äußerungen von Kultusminister Helmut Rau reagiert. Er hatte am Freitag mitgeteilt, die schlechten Einstellungschancen seien seit langem bekannt gewesen. Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der GEW nahm am Montag, 25.06. in Stuttgart Stellung: „Uns ist kein Fall bekannt, wo das Kultusministerium an den Ausbildungsseminaren auf diese katastrophale Situation hingewiesen hatte. Auch die Dozenten dort waren nicht informiert und konnten deshalb den Lehrernachwuchs bei ihren Bewerbungen nicht richtig unterstützen. Die Landesregierung hat trotz ihres Wahlversprechens, keine Lehrerstelle zu streichen, in einem Jahr 870 Stellen einkassiert. Wenn wir die von Kultusminister Helmut Rau geplante Streichung der Altersermäßigung nicht verhindert hätten, stünden weitere 300 Lehrkräfte auf der Straße:“

Nach Informationen der GEW wird die Landesregierung ein weiteres Versprechen nicht einhalten: Anfang Mai hatten Rau und Ministerpräsident Günther Oettinger die Senkung des Klassenteilers an Hauptschulen versprochen, wodurch 600 neue Stellen entstehen würden. Nach Widerstand in der CDU-Fraktion ist dies aber jetzt offenbar wieder vom Tisch. Die Landesregierung will morgen über ein Programm zur Stärkung der Hauptschule verhandeln.

Gut 5.000 von 8.000 Bewerber/innen erhalten im September keine Stelle. Bei den Grund- und Hauptschulen werden nur 13 Prozent der Lehramtsanwärter im nächsten Schuljahr unterrichten dürfen.

 

Eine ausgebildete Hauptschullehrerin aus Stuttgart berichtet:

Ich bin eine der Hauptschullehrerinnen mit den Mangelfächern Religion (und Mathematik), die auch keine Stelle erhalten hat. Auch wurde mir fest zugesichert, dass Hauptschullehrer eine Stelle bekommen und wenn man das Mangelfach Religion hat, hat man sie im Prinzip sicher. Ich war bereit in ganz Baden-Württemberg eine Stelle anzunehmen. Bei meinem Anruf beim Regierungspräsidium habe ich gefragt, ob denn nicht Religion ein Mangelfach sei, die Antwort lautete nur: Nein, Religion wird doch kaum gebraucht. Genauso verlautete die Antwort mit den scheinbar benötigten Hauptschullehrern. Hätte ich die unwahrscheinlichen Einstellungschancen bereits zwei Monate früher gewusst, hätte ich mich bereits darauf einstellen können und v.a. in anderen Bundesländern und der Schweiz bewerben können. Hoffentlich merken alle Schulen, Lehrer, Eltern und Schüler, was dass für ein Skandal in unserem Land ist!


2007: Schlechtere Chancen für den Lehrernachwuchs

 

Stuttgart – Die Einstellungschancen für junge Lehrer/innen werden sich in Baden-Württemberg in diesem Jahr gegenüber 2006 verschlechtern. „Trotz höherer Pensionierungszahlen werden sich viele gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer umsonst bewerben, da es erstmals seit fünf Jahren keine neuen Stellen gibt und die Landesregierung rechnerisch freiwerdende Stellen sperrt oder durch die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Referendare einspart“, sagte am Donnerstag (01.02.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Heute (01.02.) beginnen in Baden-Württemberg etwa 7.200 angehende Lehrer/innen ihr eineinhalbjähriges Referendariat, das sind 2.200 mehr als im Jahr 2006. Die GEW kritisiert, dass das Kultusministerium auch die Ausbildungsbedingungen verschlechtert hat.

Während in den Beruflichen Schulen, den Hauptschulen und einigen Mangelfächern Lehrkräfte gesucht werden, gibt es in den anderen Schularten zu wenige Stellen. „An Realschulen wird es für etwa 1.800 Lehrerinnen und Lehrer nur rund 300 Stellen geben. Der Unmut an den Ausbildungsseminaren ist groß, denn alle hatten nach den Zusagen der Parteien im Landtagswahlkampf auf gute Einstellungsperspektiven gehofft. Viele gut qualifizierte Pädagoginnen und Pädagogen werden in andere Bundesländer abwandern“, so Dahlem.

Die Landesregierung hatte im Herbst 2006 ihr Wahlversprechen gebrochen, alle freiwerdenden Lehrerstellen wieder zu besetzen. 521 Stellen wurden gesperrt und weitere 349 Stellen werden durch die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Referendar/innen eingespart. Die meisten Stellen fallen in den Grund- und Hauptschulen weg, weitere an Realschulen und Beruflichen Schulen. 


Schuldenstopp verschieben

GEW und LSV: Mehreinnahmen für Schulsozialarbeit verwenden

 

Stuttgart – Ein Teil der zu erwartenden Steuermehreinnahmen des Landes soll für die Unterstützung der Schulsozialarbeit verwendet werden. Dies schlagen die Bildungsgewerkschaft GEW und der neu formierte Landesverband der Schulsozialarbeiter/innen vor. „Ministerpräsident Oettinger und Kultusminister Rau stehen im Wort. Sie haben beide zugesagt, über die Landesmittel für Schulsozialarbeit neu zu diskutieren, wenn wieder mehr Geld im Staatssäckel ist. Jetzt haben sie die Chance, die dringend notwendigen Mittel für das Schuljahr 2007/08 frei zu geben“, sagte Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Freitag (24.08.) in Stuttgart.

Ohne die Unterstützung von Sozialpädagogen, die als Schnittstelle zwischen Schule und Jugendhilfe fungieren, ist Unterricht kaum noch denkbar. „Schulsozialarbeit zahlt sich aus, sie ist kein Luxusgut, sondern eine notwendige Investition. Das wurde in Baden-Württemberg leider aus den Augen verloren, wir haben hier einiges nachzuholen“, sagte Stefan Rückert vom baden-württembergischen Landesverband Schulsozialarbeit.

Notwendigkeit und Erfolge der Schulsozialarbeit sind unbestritten. Zum Beispiel wird der Rückgang der Gewaltstraftaten an Schulen zwischen 2001 und 2003 um 15 Prozent auch auf die Arbeit der Sozialpädagog/innen zurückgeführt, die 2003 noch mit 2,18 Millionen Euro aus Landesmitteln gefördert wurde. Bereits 1999 empfahl die Enquetekommission „Jugend–Arbeit–Zukunft“ den Ausbau von Sozialarbeit an allen Schulen. „Angesichts voller Klassen bleiben im kommenden Schuljahr für Lehrerinnen und Lehrer kaum noch Spielräume für so wichtige Themen wie Gewaltprävention, Drogenberatung und Hilfe bei der Lehrstellensuche“, sagte Dahlem.


Mehr Lehrer/innen für Schulen mit hohem Migrantenanteil

Zusätzliche Klassenlehrerstunden für bessere Förderung

 

Stuttgart – Die Bildungsgewerkschaft GEW schlägt vor, Schulen mit hohem Migrantenanteil besser auszustatten und beispielsweise bei der Lehrerzuweisung Migrantenkinder doppelt zu zählen. Dadurch sollen die Chancen der Kinder und Jugendlichen verbessert werden.

„Als erster Schritt sollten Grund- und Hauptschulen sowie Berufliche Schulen besser unterstützt werden. Wir schlagen vor, an den Hauptschulen und im Berufsvorbereitungsjahr eine zusätzliche Klassenlehrerstunde einzuführen und den Klassenteiler zu senken. Die Lehrerinnen und Lehrer brauchen außerdem mehr Zeit und professionelle Unterstützung durch Schulsozialarbeiter und Schulpsychologen“, sagte am Montag (16.04.) in Stuttgart Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

In Baden-Württemberg steigen seit Jahren die Schüler/innenzahlen im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ). Viele Schüler/innen im BVJ haben einen Migrationshintergrund. Immer mehr Hauptschüler/innen mit Abschluss finden keine Lehrstelle und müssen das BVJ besuchen. Im Schuljahr 2005/06 besuchten 13.520 Schüler/innen das BVJ (2001/02: 11.220), weitere 3.327 private berufsvorbereitende Berufsfachschulen und Sonderberufsfachschulen (2001/02: 849). 2005/06 hatten 8.059 BVJ-Schüler/innen einen Hauptschulabschluss (2001/02: 5.173).

Von den 406.971 Schüler/innen an Beruflichen Schulen im Schuljahr 2004/05 besuchten 198.880 Berufsschulen (Duales System), 61.935 Berufsfachschulen, 52.567 Berufskollegs und 18.609 Fachschulen.

(Quellen: Stat. Landesamt, Landtagsdrucksache 13/522)